Zur Entwicklung des Motives des Fliegenden Teppichs
Von der Dienstbarkeit des Windes bei Salomo bis zu Aladdins anthropomorphem fliegenden Teppich
Title (de)
Zur Entwicklung des Motives des Fliegenden Teppichs
Subtitle (de)
Von der Dienstbarkeit des Windes bei Salomo bis zu Aladdins anthropomorphem fliegenden Teppich
Language
German
Description (de)
Der fliegende Teppich ist im abendländischen Bewusstsein untrennbar mit den Geschichten aus Tausendundeine Nacht verbunden. Allen voran die Geschichte „Aladdin und die Wunderlampe“ wird durch Disneys gleichnamigen Animationstrickfilm aus dem Jahr 1992 mit dem Teppich in Verbindung gebracht, wenngleich in den ursprünglichen Übersetzungen der Geschichte ’Ala ed-Din und die Wunderlampe von dem Franzosen Antoine Galland kein solches Objekt zu finden ist.
Eine weitere Geschichte, die großen Einfluss auf die Vorstellung vom Vorkommen fliegender Teppiche in
Tausendundeine Nacht ausübt, ist Die Geschichte von dem Prinzen Ahmed und der Fee Peri Banu, die in Teilen als
Vorlage für die Verfilmungen Der Dieb von Bagdad aus den Jahren 1924, 1940 und 1978 dient.
Die dritte Erzählung, die den fliegenden Teppich zum Inhalt hat, ist die Geschichte von der Messingstadt, die zu den Ursprüngen der fliegenden Teppiche in der arabischen Erzählung in der Sulaimanlegende zurückführt.
Salomo, im Koran als Sulaiman bekannt, wird in mehreren Suren als Beherrscher des Windes beschrieben. Korankommentatoren interpretieren im Laufe der Jahrhunderte die Beherrschung des Windes, die Sulaiman zu Kriegszwecken dient. Vorerst wird eine Holzplatte beschrieben, auf der der Prophet mit seiner Armee und seinem Gefolge vom Wind getragen reist, später wird aus der Holzplatte ein von den Teufeln gewebter,
gigantischer fliegender Teppich.
Als Teil der Sulaimanlegende erhält der fliegende Teppich als magisches Objekt Eingang in die arabischen Geschichten, von denen einige um 1700 von Galland in seine Übersetzung von Tausendundeine Nacht aus dem Arabischen aufgenommen werden und so die europäischen Vorstellungen vom Orient und seinen Erzählungen prägen.
Die drei, im 20. Jahrhundert verfilmten Versionen der Geschichte Der Dieb von Bagdad, sind westliche Interpretationen der Geschichte des Prinzen Ahmed und der Fee Peri Banu, die die Liebesheirat und die freie Partnerwahl der Frau zum Thema haben. Sie rücken jeweils den Teppich in einer Weise ins Zentrum der Erzählung, dass er als Symbol für Freiheit dient und neben Kampfszenen als Schauplatz für Liebesszenen fungiert. Das Ende der Geschichten markiert jeweils der Flug mit dem Teppich gen Himmel.
Auch Disneys Aladdin bedient sich dieses Symbols und bringt die Figur des fliegenden Teppichs im
Animationstrickfilm aus dem Jahr 1992 zu einem Höhepunkt. Hier wird aus dem magischen Einrichtungsgegenstand, der seinem Besitzer zu Dienste steht, eine anthropomorphe Persönlichkeit, die aus freien Stücken handelt, seinen Vorlieben nachgeht und zu Empfindungen im Stande ist. Der Teppich emanzipiert sich hier von seinem (männlichen) Besitzer und wird zur eigenständigen Figur in derselben Weise, wie es auch die Figuren der Prinzessinnen im Laufe der Geschichte machen, die sich von namen- bzw handlungslosen Gestalten zu der Jasmin entwickeln, die 1978 aus Liebe und 1992 vorerst nicht heiratet und schließlich 2019 selbst Sultanin wird.
Diese Arbeit will die kulturgeschichtlichen Eckpunkte der Entwicklung des fliegenden Teppichs
beleuchten und einen Überblick zur Rezeptionsgeschichte des Motives des fliegenden Teppichs geben.
Weitere, bestimmte Aspekte der Thematik näher beschreibende, Gegebenheiten sollen in einer darauf
aufbauenden künstlerischen Arbeit thematisiert werden.
Description (de)
This work examines the cultural-historical cornerstones of the development of the subject of the magic carpet in literature and film history.
For this purpose, relevant passages from the Quran and stories from the Arabian Nights, as well as films, are compared.
AC-Number
Adviser
Anna Spohn
Author of the digital object
Monika Freyer-Luftensteiner
Licence Selected
Type of publication
Baccalaureate Dissertation
Date of approbation period
2022-03-28
Pages or Volume
47
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Persistent identifier
https://phaidra.bibliothek.uni-ak.ac.at/o:69924 - Restricted access
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