Kybernetik und Negation
Title (de)
Kybernetik und Negation
Language
German
Description (de)
Die ökologische Utopie ist die einzige Utopie, die aus dem vorigen Jahrhundert unversehrt in die Gegenwart gerettet wurde (Anselm Franke). Dabei wurzelt die Ökologie als Theorie der Beziehung eigentlich in der Biologie, wo die Verbindungen des Lebendigen zum umweltlichen Außen ihren zentralen Forschungsgegenstand bilden. Die politische Aufladung hingegen erfährt sie in den Nachwehen der 68er-Revolte. Der Bericht des Club of Rome wiederum verleiht ihr sozialwissenschaftliche Impulse und zeigt, dass kommende Herausforderungen scheinbar überhaupt erst mithilfe ihrer empirischen Modellbildung adressierbar werden. Vor diesem Hintergrund drängen gegenwärtige Klimamodelle mit immer verheerenderen Prognosen zu gesellschaftlichen Veränderungsprozessen. Um Bewältigungsszenarien entwickeln zu können, vereinigt das ökologische Denken im Ruf nach einer transdisziplinären Vereinigung von Geistes- Sozial- und Naturwissenschaften mittlerweile alle Hoffnungen auf sich.
Dieser Ruf nach einer dezidiert posthumanen Perspektive des Menschen bildet den Horizont, vor dem die Arbeit „Kybernetik und Negation“ die wissenschaftstheoretischen Grundannahmen des ökologischen Denkens näher beleuchtet. Die zentrale These dabei lautet: In den westlichen Gesellschaften vollzieht sich spätestens seit dem zweiten Weltkrieg eine Kybernetisierung der Wissens- und Ordnungssysteme, die eine ökologische Angleichung von Gesellschaft und Natur in computergestützten Modellen erst denkbar und somit möglich macht. Als zentrales Arbeits-, Ordnungs- und Deutungsinstrument fungiert die Kybernetik dahingehend als wirklichkeitskonstituierende Macht. Sie verändert das Denken und somit das Verständnis des Politischen, des Ökonomischen, des Sozialen aber auch das der Künste. Letztlich transformiert die Kybernetik die anthropologischen Bedingungen des Menschen selbst: Ein Prozess, in dessen nicht mehr fernem Horizont der kybernetische Organismus – wie ihn auch Donna Haraway imaginiert – gleichermaßen verheißend wie bedrohlich steht.
Author of the digital object
Christoph Blocher
Date
18.10.2023
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